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Natürlich waschen mit Kastanien

Im Herbst ist es wieder Zeit Zeit für bunte Blätter an den Bäumen, morgendliche Nebelschwaden auf den Feldern und jede Menge Kastanien. Mit Kastanien kann man wunderbar herbstlich dekorieren, aber sie eigenen sich auch prima zum Wäsche waschen. Wäsche waschen? Ja, ihr habt richtig gelesen. Warum das so ist und wie das Ganze funktioniert, lest ihr hier.

Die Rosskastanie: Mehr als nur ein Zierbaum

Auch wenn der Kastanienbaum bei uns in Deutschland ursprünglich gar nicht heimisch ist, findet man ihn doch recht häufig. Neben der Edelkastanie, die zu den Buchengewächsen zählt, findet man bei uns vor allem die Rosskastanie. Die Rosskastanie ist ein Zierbaum, seine Früchte sind nicht essbar. 2005 wurde sie zum „Baum des Jahres“ gekrönt.

Die Rosskastanie gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse. Und der Name ist hier Programm: Ihre Früchte, in diesem Fall also die Kastanien, enthalten Saponine (sapo = Seife). Saponine sind natürliche Tenside.


Tenside werden (meist in synthetischer Form) auch in herkömmlichen Wasch- und Reinigungsmitteln oder beispielsweise Shampoo und Duschgel verwendet. Es sind waschaktive Substanzen, die die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen und Schmutz (z.B. Fett) binden können. Diese reinigende Eigenschaft machen wir uns beim Waschen zunutze.

Waschen mit Kastanien

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit Kastanien zu waschen. Ihr könnt das Waschmittel entweder frisch herstellen oder die Kastanien so präparieren, dass ihr sie lagern könnt und das Waschmittel dann nach Bedarf herstellen.

Beiden Methoden ist eins gemein: Zunächst macht ihr einen schönen Herbstspaziergang und sammelt einige Kastanien. Um zu vermeiden, dass weiße Wäsche einen unschönen Grauschleier erhält, solltet ihr die Kastanien schälen. Das geht am besten mit einem gewöhnlichen Nussknacker.

Methode 1: Frisches Kastanien-Waschmittel

Die einfachste und schnellste Methode, mit Kastanien zu waschen, ist, das Waschmittel frisch herzustellen. Um Waschmittel für ca. zwei Maschinen Wäsche herzustellen benötigt ihr:

  • 5-6 Kastanien (geschält)
  • 500 ml Wasser
  • optional: ätherisches Öl (z.B. Lavendel)

Und so geht’s: Viertelt die geschälten Kastanien und legt sie über Nacht in 500 ml Wasser ein. Das Wasser sollte am nächsten Tag schön milchig sein, beim Schütteln bildet sich Schaum.

Bevor ihr damit nun waschen könnt, schüttet ihr das Ganze über ein Sieb in ein anderes Gefäß, um die Kastanienstücke herauszunehmen. Ihr wascht also nur mit der entstandenen Flüssigkeit. Für einen Waschgang benötigt ihr davon etwa 200-250 ml, die ihr einfach in das Waschmittelfach der Waschmaschine einfüllt. Vorher füge ich der Flüssigkeit gerne 5-6 Tropfen ätherisches Öl für einen noch frischeren Wäscheduft hinzu. Das ist allerdings optional – saubere Wäsche, die ganz neutral riecht, bekommt ihr ohne den Zusatz des ätherischen Öls.

Die Flüssigkeit hält sich im Kühlschrank etwa 2 Tage. Länger solltet ihr sie also nicht stehen lassen, denn dann kann sie anfangen, unangenehm zu riechen.

 

Methode 2: Haltbares Kastanien-Waschmittel

Nun findet ihr Kastanien ja leider nicht das ganze Jahr über. Um aber trotzdem auch im Winter, Frühjahr und Sommer natürlich waschen zu können, empfiehlt sich die folgende Methode.

Ihr habt bereits eine größere Menge Kastanien gesammelt und geschält. Diese hackt ihr jetzt in kleine Stücke. Zugegeben, das Ganze ist etwas mühsam. Da die Kastanien recht feucht sind, waren meine Versuche mit einer Küchenmaschine leider nicht von Erfolg gekrönt. Das heißt, es ist Fleißarbeit angesagt.

Die kleinen Stücke sollten nicht viel größer als eine Linse sein (die zum Essen, nicht die zum Gucken 🙂 ). Denn im nächsten Schritt werdet ihr die Stücke auf euer mit einem Küchenhandtuch ausgelegtes Backblech legen. Sie sollten möglichst gleichmäßig ausgebreitet werden, damit sie gut trocknen können. Trocknen müssen wir sie, da sie viel Feuchtigkeit enthalten und sonst bei Lagerung so ganz leicht schimmeln würden.

Zum Trocknen empfiehlt sich ein sonniges Plätzchen in eurer Wohnung. Wer es eilig hat, kann die Kastanien auch bei ca. 60 Grad Umluft im Backofen trocknen. Bei beiden Methoden gilt, bewegt die Stückchen immer mal wieder und achtet darauf, dass nicht zu viele aufeinander liegen. Sobald die Stücke (wirklich!) trocken und hart sind, könnt ihr sie in ein offenes Gefäß füllen und dort aufbewahren.

Wenn ihr nun waschen möchtet, füllt ihr drei Teelöffel der trockenen Kastanien-Stücke in einen Tee- oder Kaffeefilter und gießt das Ganze wie einen Tee mit etwa 200 ml kochendem Wasser auf. Das Ganze lasst ihr ca. 10 Minuten stehen und entnehmt dann den Filter mit den Kastanien-Stücken. Diese können noch etwa zwei weitere Male mit Wasser aufgebrüht werden, falls ihr mehrere Maschinen Wäsche wascht (oder aber ihr nehmt direkt eine entsprechend größere Menge Wasser).

Lasst das so entstandene Waschmittel noch etwas abkühlen, bevor ihr ätherische Öle hinzugebt und es in die Waschmaschine füllt.

Einschränkungen

Auch wenn ich bisher positive Erfahrungen mit dem Kastanien-Waschmittel gemacht habe, gibt es ein paar Einschränkungen, auf die ich hinweisen möchte.

Biologische Abbaubarkeit

Die in den Kastanien vorkommenden Saponine sind pescizid, also fischgiftig. Das bedeutet, dass sie Schaden anrichten können, wenn sie in größeren Mengen in Gewässer, wie Bäche oder Seen geraten. Nach dem Waschen gelangen die Saponine aus dem Waschmittel in unser Abwassersystem. Über den Abbau von Saponinen aus Kastanien in städtischen Kläranlagen liegen aktuell noch keine belastbaren Untersuchungen vor. So lange also keine gesicherten Erkenntnisse über die Langzeitauswirkungen bzw. die biologische Abbaubarkeit in Kläranlagen vorliegt, gilt also auch hier: Waschmittel sparsam verwenden und nicht unnötig häufig Wäsche waschen.

Kalk

Herkömmliche Waschmittel enthalten in der Regel auch Wasserenthärter, um starke Kalkablagerungen in der Waschmaschine und in den Fasern der Wäsche zu vermeiden. Euer natürliches Waschmittel enthält keinen Wasserenthärter. Daher sollte insbesondere bei hartem, also kalkhaltigem, Wasser darauf geachtet werden, die Maschine regelmäßig zu entkalken. Dem Kalk vorbeugend können auch ein bis zwei Esslöffel Waschsoda zum Waschmittel gegeben werden. Waschsoda soll hartes Wasser weicher machen und so Kalkablagerungen vorbeugen. Bestehende Ablagerungen kann es allerdings nicht entfernen. Zudem schadet Waschsoda empfindlichen Fasern, wie beispielsweise Seide oder Wolle.

Feine Fasern

Ob und inwiefern sich Kastanien-Waschmittel für feine Fasern wie Seide und Wolle eignet, vermag ich nicht zu sagen. Ich würde euch empfehlen, euch zunächst mit unempfindlicheren Fasern wie Baumwolle (Handtücher!) an das Waschen mit natürlichen Waschmitteln heranzutasten.